Kritische Analyse zum Biomassepaket: Herausforderungen für die Biogasbranche
Die Bundesregierung hat das Biomassepaket verabschiedet – eine Reform, die die Zukunft der Biogasbranche maßgeblich beeinflussen wird. Offiziell soll das Paket den Ausbau von Biomasseanlagen fördern, die Systemdienlichkeit verbessern und eine nachhaltigere Nutzung der Ressource Biomasse sicherstellen. Doch viele Betreiber und Branchenvertreter sehen die neuen Regelungen kritisch.
1. Begrenzung der Betriebsstunden und Auswirkungen auf die Fahrweise
Eine der umstrittensten Neuerungen ist die Begrenzung der förderfähigen Betriebsstunden auf ca. 2.920 Stunden pro Jahr (33,33 % der installierten Leistung), mit einer weiteren Absenkung in den kommenden Jahren. Die Aufteilung auf Betriebsviertelstunden anstelle von Volllaststunden bedeutet, dass jede Viertelstunde, in der auch nur eine kWh eingespeist wird, als volle Betriebszeit gewertet wird.
Folgen:
- Die meisten Blockheizkraftwerke (BHKW) benötigen eine Anlaufzeit, bevor sie ihre volle Leistung erreichen. Diese Zeit geht nun voll in die Bemessungsleistung ein, wodurch die effektiv nutzbaren Stunden weiter sinken.
- Die Regelung zwingt Betreiber zu einer radikalen “Alles-oder-Nichts”-Fahrweise: Entweder die Anlage läuft in Volllast oder sie steht still. Das beeinträchtigt besonders Betreiber mit Wärmelieferverpflichtungen.
- In Zeiten mit niedrigen Spotmarktpreisen bleibt als Alternative nur die Speicherung des Gases, wofür große Gasspeicher notwendig sind.
2. Konkurrenz durch Batteriespeicher: Gefahr sinkender Erlöse
Die Netzanfragen für Batteriespeicher haben mittlerweile eine Kapazität von über 200 Gigawatt erreicht. Diese Speicher werden zunehmend als flexible Stromlieferanten in Hochpreiszeiten genutzt, wodurch die Preisspitzen im Day-ahead-Markt geglättet werden. Biogasanlagen, die bislang auf hohe Erlöse während Dunkelflauten spekulierten, könnten künftig weniger profitieren.
Folgen:
- Batteriespeicher reagieren in Millisekunden auf Preisveränderungen und können Strom in den Hochpreisphasen einspeisen, bevor Biogasanlagen hochfahren.
- Dadurch könnte der wirtschaftliche Betrieb vieler Biogasanlagen zunehmend schwieriger werden.
- Biogasbetreiber müssen ihre Flexibilität drastisch erhöhen, um nicht von Batteriespeichern verdrängt zu werden.
3. Weitere problematische Regelungen
Neben der Betriebsstundenbegrenzung und der verschärften Konkurrenz durch Speicher gibt es weitere kritische Punkte:
- Ausschluss der EEG-Vergütung bei Strompreisen unter 2 Cent/kWh: Betreiber müssen genau kalkulieren, wann sich der Betrieb lohnt. Die zusätzliche Unsicherheit erschwert die Planung.
- Sonderbehandlung von Bestandsanlagen mit Wärmenetzanschluss: Zwar gibt es für diese Anlagen eine priorisierte Zuschlagsvergabe, doch das Gesamtvolumen der Ausschreibungen könnte viele Betreiber aus dem Rennen drängen.
- Maisdeckel wird weiter gesenkt: Die Reduzierung auf 30 % ab 2025 und 25 % ab 2026 schließt einige Anlagen von der Teilnahme an Ausschreibungen aus.
Fazit: Gefahr für den Bestand statt nachhaltiger Zukunftssicherung
Das Biomassepaket stellt hohe Anforderungen an die Branche, ohne ausreichende Übergangsregelungen. Die Umstellung auf ein hochflexibles Betriebsmodell erfordert erhebliche Investitionen in Speichertechnologien.
Was sollte passieren?
- Die Abschaffung der praxisfremden Viertelstunden-Regelung, um eine wirtschaftlich sinnvolle Betriebsweise sicherzustellen.
- Eine praxistaugliche Regelung zur Flexibilisierung, die Anlaufzeiten von BHKW berücksichtigt.
- Eine bessere Berücksichtigung der Systemrelevanz von Biogas als speicherbare Energieform gegenüber volatilen Erneuerbaren.
- Verlängerte Übergangsfristen, um Betreiber nicht kurzfristig in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen.
Ohne Nachbesserungen droht das Biomassepaket, nicht nur bestehende Biogasanlagen in Schwierigkeiten zu bringen, sondern auch die dringend benötigte flexible Erzeugung zu schwächen. Eine langfristig tragfähige Strategie für Biogas als systemrelevante Energiequelle sieht anders aus.